Bei seiner ersten Regierungserklärung im Bundestag verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz: „Zu bezahlbarem Wohnraum gehört vor allem: bauen, bauen, bauen.“1 Bezahlbarer Wohnraum sei „eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit“2. In einem „Bau-Turbo“ soll das Bauen entbürokratisiert werden und Kommunen wird zu Fertigbauteil-Produkten geraten. Die Wohnungsnot, so die Argumentation der Christdemokraten, legitimiere es sich nicht länger an Baugesetzen, Wohnungs- oder Ästhetikfragen aufzuhalten. Wie die Deutschen künftig zusammenleben sei bei der erdrückenden Realität von für viele kaum zu stämmenden Mietpreise hinten anzustellen. Dass „Bau-Boom“ traditionell auch immer mit Wirtschafts-Boom einher ging, könnte womöglich noch ein netter Nebeneffekt sein – natürlich, nachdem die sozialen Probleme gelindert und jeder mit wenig finanziellen Mitteln in einer Schnellbaubude haust. Nachdem Trump für die USA den dreifachen Nachdruck: „drill, drill, drill“ ausruf, kommt nun in Deutschland also „bauen, bauen, bauen“ (gleichzeitig heißt es beiläufig vom Bundeskanzler: „arbeiten, arbeiten, arbeiten“. Merz schwingt die Peitsche, denn nach dem Christdemokraten sei das (für ihn) unzureichende BIP auf die Faulheit der deutschen Lohnarbeitenden zurückzuführen).
1951 beleuchtete Martin Heidegger den Umgang mit der „Wohnungsnot“ anders als sie heute der Bundeskanzler beschreibt. Statt „bauen, bauen, bauen“, hieß es bei Heidegger: „Bauen Wohnen Denken“.3
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- https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wohnungspolitik-plaene-bundesregierung-100.html ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Martin Heidegger, „Bauen Wohnen Denken“ (1951). In: ders., Vorträge und Aufsätze. 9. Aufl. Stuttgart 2000. (BWD) ↩︎